Terra Naturkost berechnet Scope-3.1-Emissionen und PCF im Lebensmittelsektor

July 29, 2026

Der deutsche Bio-Großhändler Terra Naturkost ermittelt derzeit seine Scope-3.1-Emissionen und die Product Carbon Footprints (PCF) seiner Produkte, den größten und anspruchsvollsten Teil der Klimabilanz eines Lebensmittelunternehmens. Dafür nutzt Terra Daten, die bereits vorliegen: Statt auf perfekte Lieferantenzahlen zu warten, kombiniert das Unternehmen vorhandene Einkaufsdaten mit frei verfügbaren Emissionsfaktoren aus der AGRIBALYSE-Datenbank. So entstehen erstmals belastbare Ergebnisse auf Produkt- und auf Unternehmensebene.

In der Lebensmittelbranche fallen rund 87 % der Emissionen nicht im eigenen Betrieb an, sondern in der vorgelagerten Lieferkette: bei Landwirtschaft, Verarbeitung, Verpackung und Transport. Diese Emissionen werden unter Scope 3.1 – eingekaufte Waren und Dienstleistungen – zusammengefasst und bilden meist den größten Einzelposten der Klimabilanz. Dennoch berichten bislang nur etwa 12 % der Unternehmen im Sektor über ihre Scope-3-Emissionen.

Die vollständige Fallstudie:

Warum Terra startet, bevor die Daten perfekt sind

Viele Unternehmen zögern, weil sie auf vollständige, lieferantengeprüfte Daten warten. Der Ansatz von Terra zeigt einen anderen Weg. Durch vorhandene Einkaufsdaten und frei zugängliche Durchschnittswerte lassen sich belastbare Ergebnisse erzielen, ohne externe Tools und ohne großes Budget. Schon erste Schätzungen liefern wertvolle Erkenntnisse, schärfen interne Prioritäten und verbessern den Dialog mit Lieferanten.

Wir haben gelernt, dass es insbesondere bei Scope-3.1-Emissionen entscheidend ist, mit transparenten Annahmen zu arbeiten, statt auf Lieferantendaten zu warten, die in der notwendigen Detailtiefe kaum jemand liefern kann.
— Henrik Beer, Referent Nachhaltigkeit, Terra Naturkost Handels KG

Offene Datenbanken als Schlüssel zu schnellen Ergebnissen

Terra nutzt AGRIBALYSE, eine kostenlose französische Lebenszyklus-Datenbank mit Emissionsfaktoren für über 2.400 Lebensmittelkategorien. Diese eine offene Quelle ermöglicht es, sowohl die Product Carbon Footprints (PCF) einzelner Produkte als auch die Scope-3.1-Emissionen auf Unternehmensebene abzuleiten – ohne Lizenzkosten. Für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen bieten offene Datenbanken wie AGRIBALYSE oder ProBas einen realistischen Einstieg, ganz ohne kostenpflichtige Software.

Scope 3.1 und Product Carbon Footprint (PCF) in vier Schritten berechnen

Scope 3.1 und PCF hängen eng zusammen: Beide beruhen auf denselben Produktdaten, betrachten aber unterschiedliche Systemgrenzen. Die Fallstudie dokumentiert Terras Vorgehen – die Datenquelle verstehen und sichern, eine vollständige Einkaufsliste mit Bruttogewichten aufbereiten, jedes Produkt über eine eindeutige Identifier-Nummer einer AGRIBALYSE-Kategorie zuordnen und schließlich die Emissionen ermitteln. Ebenso offen benennt sie die Hürden, die im laufenden Prozess auftreten – den manuellen Aufwand der Datenharmonisierung, die Ausrichtung von AGRIBALYSE auf den französischen Markt und die vorerst eingeschränkte Abdeckung von Non-Food-Produkten – samt der Lösungsansätze, die Terra dafür entwickelt.

Fünf Erkenntnisse für Ihren eigenen Einstieg

  1. Besser starten als warten. Auch unvollständige Daten liefern belastbare Ergebnisse und Argumentationskraft gegenüber Lieferanten.
  2. Offene Datenbanken nutzen. AGRIBALYSE und ProBas sind der schnellste, kostengünstigste Weg zu ersten Ergebnissen.
  3. Produktdaten früh strukturieren. Eine saubere Datenstruktur im Einkaufssystem senkt Aufwand und Fehlerquote erheblich.
  4. Fokus statt Vollständigkeit. Wer die größten Emissionstreiber kennt, kann gezielt handeln und Fortschritte sichtbar machen.
  5. Kooperation stärkt die Umsetzung. Der Austausch zwischen Nachhaltigkeitsmanagement, Einkauf und IT erhöht Datenqualität und interne Akzeptanz.

Zusammen verwandeln diese Lektionen eine einmalige Berechnung in einen fortlaufenden Verbesserungsprozess und einen praxisnahen Einstieg für kleine und mittlere Lebensmittelbetriebe, die Transparenz schaffen wollen, aber nicht bei null beginnen möchten.

Diese Fallstudie ist Teil unserer Reihe, die Nachhaltigkeitstransparenz greifbar macht. In der Ressourcenbibliothek bündeln wir Leitfäden und Praxisbeispiele, mit denen Unternehmen den Einstieg in Berichterstattung und Emissionsermittlung leichter schaffen.